Ethik im Karate                  

     Nur langsam hält die Ethik Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln der Menschen untereinander und in Beziehung zur Gesellschaft

     Einzug in die moderne Fachliteratur.

     Für die ausführliche Behandlung dieses Themas gibt es jedoch mehrere Gründe.

     Karate ist ein System von Kampftechniken, das, wie Judo, Boxen und Ringen, schwerwiegende oder sogar tödliche Verletzungen hervorrufen kann.

     Darauf hingewiesen haben Frantisek und Miloslav Kolarove ( zwei erfolgreiche tschechische Sportler ) folgende Antwort gegeben:

     "Ein Küchenmesser in der Hand einer Hausfrau kann Kartoffeln schälen, dasselbe Messer in der Hand eines Kriminellen wird zum Mordinstrument".

     Dieses Beispiel verdeutlicht uns, daß bei der Gewinnung von Sportfreunden eine strenge Auswahl und eine gewisse Art der Kontrolle unbedingt notwendig sind.

     Der Trainer muß ständig Einfluß auf das Verhalten seiner Schützlinge in bestimmten Situationen nehmen. Bei Gesprächen und Diskussionen zum Thema

     Selbstverteidigung und Verhalten in der Öffentlichkeit sollte ernsthaft und ohne Zeitdruck auf alle Fragen eingegangen werden.

     Besonders der Karatesportler sollte jedes Wortgefecht, das zu einer tätlichen Auseinandersetzung führen kann und einen übermäßigen Alkoholgenuß oder Drogen 

     vermeiden.

     Sollte ein Angriff auf einen Karatesportler erfolgen, so gelten für ihn dieselben Gesetze wie für alle anderen Bürger auch.

     Die Behauptung, daß ein Karateka in keinem Fall Karate anwenden darf, daß er sich schlagen lassen muß und ähnliches, ist unwahr.

     Es besteht keine spezielle Festlegung, die einen Karatesportler vor dem Gesetz von anderen Menschen unterscheidet.

     Wenn das Leben oder die Gesundheit eines Sportlers oder einer anderen Person bedroht sind, darf bzw. muß ein Karateka alles tun, um leben und Gesundheit 

     zu schützen.

     Zum größten Teil ist man in der Lage, die Entwicklung einer Situation zu beeinflussen. Grimassen, Bemerkungen und dumme Wortauseinandersetzungen               

     können den Angriff direkt herbeiführen.

     Wehrt sich der Karatesportler in dieser Situation, so wie es das Gesetz verlangt, so ist er vor diesem unschuldig.

     Die ethischen Regeln wurden in der klassischen Schule in Form von Geboten formuliert und unterlagen äußerst strengen Kontrollen.

     Diese Anweisungen waren oft ähnlich oder sogar übereinstimmend mit "Jama und Nijama" (Verbote und Gebote) des klassischen Buddhismus.

     Sie beinhalteten festgeschriebene ethische Normen betreffs der Nahrung, des Trinkens und anderem mehr.

     Strikt wurde der Respekt älteren Menschen und allem Leben gegenüber verlangt.

     Nur Angehörige des buddhistischen Glaubens durften Karate erlernen und auch damals wurde genau geprüft, wer diese Karatetechniken gelehrt bekam.

     Kommen wir nun zur Ethik im Trainingsbereich und Wettkampf.

     Es geht nicht darum, den anderen Karatesportler durch erzeugte Kraft und Leistung zu "vernichten".

     Training und Wettbewerb sind Modellsituationen, in denen dem anderen Karateka Erfahrungen vermittelt werden, 

     die ihm beim Kennenlernen der Beherrschung seines Körpers behilflich sind.

     Menschen, die ihr selbstsüchtiges Ich befriedigen wollen, haben im Karatesport nichts zu suchen.

     Die erzwungene Notwendigkeit des Dominierens über den anderen ist im Kampfsport gefährlich.

     Der Karateka soll erkennen, daß Menschen mit der größeren Erfahrung Respekt entgegen gebracht werden muß.

     Der Trainer ist in besonderem Maße das Vorbild seiner Schützlinge, von dem nicht nur die Bewegungsgewohnheiten übernommen werden, sondern eben auch 

     Verhalten und Handeln in verschiedenen Situationen. Der Trainer sollte sich also immer so verhalten, wie er es von seinen Schülern verlangt.

     Die Orientierung der Ethik und die innere Motivierung sind zwei der wichtigsten Kennzeichen, die den Karateka von anderen Sportlern unterscheiden.

     Das ständige Mühen um die Dominierung über sich selbst- über die eigenen Schwächen, sollte ein Kampf im Inneren eines jeden Karatekas sein.

     Die Bereitschaft zu geben, eigene Erkenntnisse zu vermitteln, muß bestehender Wunsch des Sportlers werden.

     Die anderen zu lehren heißt nicht, etwas von seinem Können einzubüßen. Teilen ist eine der Hauptregeln im KARATE.